Warum «mehr verdienen» selten die beste Antwort ist

«Du musst mehr verdienen.» Den Satz habe ich in den letzten Jahren oft gehört. Meist von wohlmeinenden Leuten, selten gestellt als Frage, eher als Diagnose.

Ich habe lange zugestimmt. Bis ich gemerkt habe: Die Gleichung ist unvollständig.

Was «mehr verdienen» wirklich kostet

Ein nüchterner Blick auf die Schweiz: Wenn du in der höheren Steuerkammer bist, verlierst du von einem zusätzlichen Franken etwa 30 bis 45 Prozent an Steuern und Sozialabgaben. Von 100 Franken Mehrverdienst bleiben also etwa 60.

Jetzt rechnen wir die Zeit dazu. Um mehr zu verdienen, arbeitest du mehr – oder anspruchsvoller. Beides kostet Energie, oft auch Gesundheit, manchmal Beziehung.

Das ist okay, wenn du es willst. Aber es ist ein Preis, den viele nicht bewusst zahlen.

Der andere Hebel: weniger brauchen

«Weniger brauchen» klingt wie Verzicht. Für viele ist es das Gegenteil.

Ich habe in den letzten drei Jahren zwei Dinge gemacht, die mir mehr Geld gespart haben als die meisten Lohnrunden: Ich habe mein Auto abgeschafft und die teureren Abos reduziert.

  • Auto weg: ca. CHF 6'000 pro Jahr (Leasing, Steuer, Versicherung, Benzin, Service).
  • Abos rausgeputzt: ca. CHF 1'200 pro Jahr.

Ersparnis: CHF 7'200 netto. Das entspricht einem Bruttomehrverdienst von etwa CHF 12'000.

Ich musste dafür keinen Kundentermin mehr machen. Keine neue Kompetenz lernen. Keine Verhandlung führen. Eine Kündigung, ein Anruf, fertig.

Warum der Hebel unterschätzt wird

Mehr verdienen ist sichtbar. Weniger brauchen ist unsichtbar. Das ist der Kern.

Wenn du den Job wechselst, erzählst du es deinen Freunden. Wenn du das Auto abschaffst, siehst du, wie sie leicht die Stirn runzeln. Der soziale Druck ist asymmetrisch.

Dazu kommt: Weniger brauchen verlangt Klarheit über das, was du tatsächlich willst. Das ist unbequemer als ein Gehaltsgespräch. Du musst dir zugestehen, dass du manche Dinge nur hast, weil andere sie haben.

Was das mit livesmart365 zu tun hat

Das ist der Kern des Gedankens: Produktivität und Finanzen sind kein Beschleunigungsrennen.

Schlauer arbeiten heisst nicht zwingend, mehr zu verdienen. Es kann auch heissen, in 80 Prozent der Zeit dasselbe zu verdienen und 20 Prozent zurückzubekommen.

Schlauer investieren heisst nicht zwingend, mehr Rendite zu jagen. Es kann heissen, weniger zu konsumieren, weniger Vermögen zu brauchen, weniger Stress mit Geld zu haben.

Die Frage, die ich mir heute stelle

Nicht mehr: «Wie verdiene ich mehr?»

Sondern: «Was von meinem heutigen Leben brauche ich tatsächlich – und was habe ich, weil mich nie jemand gefragt hat?»

Die Antwort ist oft überraschend. Und günstig.