Meeting-freie Vormittage und meine 3a-Strategie: was sie verbindet
Auf den ersten Blick haben meine meeting-freien Vormittage und meine Säule-3a-Strategie nichts miteinander zu tun. Das eine ist ein Kalendereintrag, das andere eine Versicherungspolice.
Auf den zweiten Blick sind sie die gleiche Entscheidung.
Meeting-freie Vormittage
Vor drei Jahren habe ich mir eine Regel eingeführt: Keine Termine vor 10:30 Uhr. Keine. Egal wer fragt, egal wie dringend.
Der Effekt war sofort spürbar: Ich erledige vormittags das, was tagsüber sonst ständig hinausgeschoben wird. Denken, schreiben, planen, Sachen fertig machen statt anfangen.
Aber der grössere Effekt kam erst nach Monaten: Ich war ruhiger. Weniger reaktiv. Weniger das Gefühl, den Tag hinter Anfragen herzuhetzen.
Die Säule-3a-Entscheidung
Parallel dazu habe ich meine 3. Säule umgestellt. Weg vom Zinskonto bei der Hausbank (0,05 Prozent, um exakt zu sein), hin zu einer Lösung mit Aktienanteil 75 Prozent, passiv, tiefe Gebühren.
Das Umstellen war eine Stunde Papierkram. Der Effekt? Auf kurze Sicht: null. Mein Kontostand stieg oder fiel nicht spürbar. Auf lange Sicht? Nach zwanzig Jahren reden wir über den Unterschied zwischen einem alten Golf und einem neuen Ferienhaus.
Das gemeinsame Prinzip
Beide Entscheidungen haben denselben Mechanismus:
Sie sind heute fast unsichtbar, aber morgen riesig.
Der meeting-freie Vormittag kostet mich an dem Tag nichts – ich arbeite ja, nur anders. Aber über Monate und Jahre verändert er, was ich überhaupt noch fertig bekomme.
Die 3a-Umstellung kostet mich heute 0 Franken mehr. Aber über zwanzig Jahre macht sie den Unterschied zwischen «es reicht» und «es reicht locker».
Warum ich beide so spät getroffen habe
Die unbequeme Antwort: Ich habe die Mechanik nicht verstanden.
Ich dachte, meeting-freie Zeit sei Luxus, den sich nur CEOs leisten können. Ich dachte, Aktien-3a sei riskant, weil «jetzt könnte ja ein Crash kommen».
Beides war falsch. Luxus ist das Gegenteil: jede Anfrage sofort beantworten müssen. Risiko ist das Gegenteil: zwanzig Jahre lang auf 0,05 Prozent sitzen.
Das dritte, was ich gelernt habe
Die Entscheidungen, die am meisten verändern, sind die, die heute am wenigsten spürbar sind.
Ein Meeting abzusagen fühlt sich mutig an. Es ist in Wahrheit banal. Die 3a zu migrieren fühlt sich abstrakt an. Es ist in Wahrheit einer der grössten Zinseszins-Hebel, den ein Schweizer hat.
Beide Entscheidungen waren bei mir Jahre überfällig. Und beide habe ich erst getroffen, als ich sie aus der gleichen Perspektive angeschaut habe:
Welche kleine Regel setze ich heute, die in zwanzig Jahren grossen Unterschied macht?
Das ist für mich die Essenz von livesmart365. Nicht Produktivität, nicht Rendite. Sondern dieses Prinzip.