Warum ich keine Finanzprodukte verkaufe, obwohl ich könnte
Ich werde regelmässig gefragt, warum ich auf investsmart365 nichts verkaufe. Kein Kurs, kein Coaching, keine Affiliate-Links mit 20 Prozent Rabattcode. Es gäbe einen Markt. Die Reichweite wäre da. Die Fragen kommen auch.
Die Antwort ist einfacher, als sie klingt.
Der Interessenkonflikt
Sobald ich Geld damit verdiene, dass jemand ein spezifisches Finanzprodukt kauft, bin ich nicht mehr neutral.
Beispiel: Wenn ich eine Affiliate-Provision für eine bestimmte 3a-App bekomme, werde ich unbewusst anfangen, genau diese App öfter zu erwähnen. Nicht aus Berechnung – sondern weil es menschlich ist. Das ist wissenschaftlich gut dokumentiert: Finanzberater, die Provisionen bekommen, empfehlen systematisch andere Produkte als solche, die gegen Honorar arbeiten.
Ich traue mir zu, über diesen Mechanismus Bescheid zu wissen. Ich traue mir nicht zu, ihm standzuhalten.
Warum kein Kurs, kein Coaching
Diese Modelle sind weniger zwiespältig. Es wäre möglich. Aber sie haben einen anderen Haken.
Ein Kurs oder ein Coaching verlangt Performance. Du musst Ergebnisse versprechen, die du nicht garantieren kannst – oder du musst die Versprechen so vage halten, dass sie wertlos sind.
Ich wollte weder das eine noch das andere. Also: kein Kurs.
Zusätzlich: Ich bin nicht Berater. Ich bin Autor. Der Unterschied ist wichtig. Berater haften für das, was sie sagen. Autoren schreiben ihre Meinung und hoffen, dass sie hilfreich ist. Beides ist legitim – aber ich möchte nicht in der ersten Kategorie sein.
Wie ich investsmart365 finanziere
Kurz: gar nicht direkt.
worksmart365 ist mein Brot. Die Beratungs- und Trainingsprojekte dort bezahlen auch den Blog, den Server, die Zeit, die ich in Finanzartikel stecke. investsmart365 und livesmart365 sind daraus querfinanziert.
Das ist ein Luxus, den nicht jeder hat. Ich bin mir dessen bewusst. Andere haben diese Wahlmöglichkeit nicht, und ich verurteile niemanden, der anders entscheidet. Nur: Für mich ist der Preis von «nein zum Verkaufen» niedriger als der von «ja, aber mit Bauchweh».
Der unerwartete Nutzen
Seitdem klar ist, dass ich nichts verkaufe, sind zwei Dinge passiert, mit denen ich nicht gerechnet hatte.
Erstens: Die Fragen, die ich bekomme, sind besser. Leute schreiben mir, wenn sie eine ehrliche Antwort wollen, nicht wenn sie einen Rabattcode brauchen.
Zweitens: Ich kann Dinge sagen, die andere nicht sagen. Dass gewisse 3a-Anbieter teurer sind, als sie zugeben. Dass manche «Robo-Advisor» mittelmässig sind. Dass Bitcoin nicht für jeden taugt.
Das ist mein eigentliches Produkt: Unabhängigkeit. Und die verkauft sich nicht direkt. Sie wird nur indirekt belohnt, über Vertrauen, über Empfehlungen, über Kunden, die später woanders mal einen Beratungstermin buchen.
Die Frage, die niemand stellt
Der Vorwurf, der manchmal kommt: «Du verpasst Umsatz.»
Ja, mache ich. Bewusst.
Manche Geschäftsmodelle kosten mehr, als sie einbringen. Und manche Unabhängigkeiten sind mehr wert als der monatliche Umsatz. Für mich gehört diese dazu.
Das ist nichts Heroisches. Nur eine nüchterne Rechnung, die ich mir selber erklären kann.