So habe ich mein Content-System mit Claude aufgebaut

Bevor ich Claude sinnvoll genutzt habe, war mein Content-Prozess eine Katastrophe: Ideen in OneNote, halbfertige Entwürfe in Word, Blog-Posts in OneDrive, Social-Versionen in verstreuten Chat-Notizen. Alles überall, nichts findbar.

Heute ist das anders. Und das Entscheidende war nicht das Tool – es war die Struktur.

Mein aktueller Flow

Ich arbeite mit drei zentralen Elementen:

  1. Ein einzelnes Ideen-Dokument in Loop – alle Ideen, Splitter, Zitate, Überlegungen. Chronologisch, nicht kategorisiert. Früher hatte ich OneNote, bin vor einer Weile auf Loop umgestiegen und geblieben.
  2. Ein Claude-Projekt pro Marke (ws365, is365, ls365) mit Brand-Voice-Dokument und Beispielen früherer Beiträge.
  3. Ein Workflow-Dokument, das beschreibt, wie ich von Idee zu Beitrag komme.

Mehr nicht. Kein Notion-Ökosystem, keine 15 Tools, kein CMS mit sieben Plugins.

Der Weg von der Idee zum Beitrag

Schritt 1: Notizen verarbeiten

Alle paar Wochen gehe ich das Ideen-Dokument durch und markiere die Splitter, die sich angereichert haben. Ein Beitrag entsteht meistens nicht aus einer Idee, sondern aus drei Notizen, die aus verschiedenen Richtungen auf denselben Punkt zeigen.

Schritt 2: Rohstruktur mit Claude

Ich sende Claude die drei Splitter und sage: «Das hängt für mich zusammen. Entwirf mir eine Struktur für einen Beitrag im ls365-Stil.» Claude gibt mir eine Gliederung. Ich überarbeite sie – oft ziemlich stark.

Schritt 3: Erster Entwurf

Mit der überarbeiteten Struktur lasse ich Claude einen ersten Entwurf schreiben. Dieser Entwurf ist fast nie brauchbar. Aber er nimmt mir das Schlimmste ab: den leeren Bildschirm.

Schritt 4: Editieren, editieren, editieren

Der grösste Teil meiner Arbeit. Ich streiche. Ich füge persönliche Beispiele ein. Ich ersetze Listen durch Prosa. Ich werfe ganze Absätze raus und schreibe sie neu.

Die Faustregel: Vom ersten Entwurf bleiben typisch 30 Prozent. Der Rest bin ich.

Schritt 5: Social-Versionen

Nach Freigabe des Beitrags generiert Claude mir drei Versionen für LinkedIn. Kurze Hooks, 150-Wörter-Versionen, längere Threads. Ich wähle eine aus, editiere, poste.

Wo Claude klar hilft

  • Struktur. Wenn ich nicht weiss, wie ich fünf Punkte sinnvoll sortiere, macht Claude in 30 Sekunden einen Vorschlag.
  • Blickwinkel. Ich frage oft: «Welche Perspektive fehlt hier?» – und bekomme oft einen Hinweis, den ich übersehen habe.
  • Übersetzung von Deutsch auf Englisch. Das mache ich fast komplett automatisch.

Wo Claude nicht hilft

  • Der eigentliche Standpunkt. Claude hat keinen. Ich muss wissen, was ich sagen will, bevor ich Claude einschalte.
  • Konkrete Anekdoten aus meinem Leben. Hier erfindet Claude (notwendigerweise) Dinge. Die muss ich streichen oder durch echte ersetzen.
  • Der letzte Schliff im Ton. Claude schreibt höflich-glatt. Mein Ton hat mehr Ecken – das kommt nur durch eigenes Editieren.

Was ich nicht mache

Ich mache keine «KI-Posts», die direkt aus Claude kommen und unreflektiert rausgehen. Nicht, weil es verboten wäre, sondern weil sie sich immer gleich anhören. Wer viel im Internet ist, erkennt sie nach zwei Sätzen.

Ich setze mich auch nicht jeden Tag mit Claude hin. Die meiste Denkarbeit findet weiterhin im Kopf statt – oft beim Laufen, Kochen, oder unter der Dusche.

Der eigentliche Gewinn

Zeitlich spare ich etwa drei bis vier Stunden pro Woche, verglichen mit meinem alten Prozess. Das ist messbar.

Der grössere Gewinn ist aber: Ich fange mehr Sachen fertig an. Früher hatte ich viele halbfertige Entwürfe, die ich irgendwann gelöscht habe. Heute kommt fast jeder Beitrag, den ich starte, auch ans Ziel. Nicht weil ich disziplinierter wäre – sondern weil der initiale Widerstand weg ist.

Das ist für mich der Kern: KI ist kein Shortcut zum besseren Beitrag. Sie ist ein Shortcut aus dem Anfangsmoment heraus. Der Rest liegt weiterhin an dir.